1980 fielen zwei wichtige Personalentscheidungen, die für frischen Wind sorgten. Mit Gerhard Müller wurde ein großer Fußballfan Chef der SED-Bezirksleitung, Karl-Heinz Friedrich wurde Vorsitzender des FC Rot-Weiß Erfurt. Die bisherige Zurückhaltung bei legalen wie illegalen Handlungsspielräumen, wie Spielprämien und andere materielle und soziale Privilegien, wurde aufgegeben, die Rahmenbedingungen im Club wurden professionalisiert. Erklärtes Ziel war es, in die Spitzengruppe der Oberliga und in den Europapokal vorzudringen. Auf Druck der SED-Bezirksleitung oder aus eigenem Interesse engagierten sich neben dem Trägerbetrieb Optima weitere Großbetriebe wie die Kombinate Umformtechnik und Mikroelektronik.

Unter Trainer Manfred Pfeifer erreichte man 1980/81 und 1981/82 jeweils den 7. Tabellenplatz. Dann sollte Trainer Siegmar Menz die spielstarke Mannschaft weiter voranbringen. Zehn der Spieler, mit denen er 1980 Meister der Nachwuchs-Oberliga geworden war, integrierte er in den Oberliga-Kader. Und auch angesichts des starken Nachwuchses war die Erwartung groß. Mit Menz erreichte RWE in der Saison 1982/83 den 5. Platz, die beste Platzierung seit dem Meistertitel 1955. Die Mannschaft begeisterte mit Offensivfußball um das Sturmtrio Jürgen „Kimme“ Heun, Martin Busse und Armin Romstedt.

Seit langer Zeit erhielten Erfurter Spieler auch wieder Einladungen in die DDR-Auswahlmannschaften. Josef Vlay, Carsten Sänger, Andreas Winter, Torwart Wolfgang „Molli“ Benkert und Bernd Nemetschek spielten in der Olympiaauswahl, Heun und Busse in der Nationalmannschaft. Vor allem in Heimspielen ärgerte die spielstarke Mannschaft die Großen, wie Dynamo Dresden, Lok Leipzig und 1. FC Magdeburg. Besonders die Spiele gegen Serienmeister BFC Dynamo (1979–1988) waren von großer Brisanz. Unvergessen sind das umjubelte 3:1 vom 12. September 1981 mit Toren von Jürgen Heun und Dieter Göpel, aber auch viele strittige Entscheidungen der Schiedsrichter zugunsten des „Schiebermeisters“ von Stasi-Minister Erich Mielke, beispielsweise bei den Heimniederlagen mit 2:3 und 4:5 Mitte des Jahrzehnts.

Auch in den emotionalen Thüringenderbys gegen den FC Carl Zeiss Jena spielte man jetzt auf Augenhöhe. Zwischen 1981 und 1990 wurde bei sieben Siegen und drei Unentschieden kein Heimspiel verloren. Attraktiven deutsch-deutschen Freundschaftsspielen, wie dem 3:2-Sieg gegen Eintracht Braunschweig am 23. März 1982 im ausverkauften Georgij-Dimitroff-Stadion, folgten sportliche Höhepunkte im europäischen Intertoto-Cup. Dort gelangen dem Gruppensieger 1984 und 1985 spektakuläre Siege, wie das 6:1 gegen Fortuna Düsseldorf am 6. Juni 1985 vor 28.000 Zuschauern.

Das Ziel der Teilnahme am UEFA-Pokal wurde jedoch bis zum Ende der DDR nicht erreicht. Am knappsten war es 1982/83, als man punktgleich mit Lok Leipzig nur durch das schlechtere Torverhältnis die Qualifikation verpasste. Der erhoffte ganz große Aufschwung blieb aus, die Mannschaft stagnierte. Nach einem siebten Platz in der Saison 1983/84 musste Siegmar Menz den Posten als Cheftrainer räumen und Karl-Heinz Friedrich holte seinen Wunschkandidaten Hans Meyer nach Erfurt. Meyer, der einige Monate zuvor in Jena von seinen Traineraufgaben aufgrund sportlichen Misserfolgs entbunden worden war, brachte hohes Fachwissen mit und fand in Erfurt ein professionelles Umfeld sowie eine offensivstarke Mannschaft inklusive des von der Saale zurückgekehrten Rüdiger Schnuphase vor. Aber auch dem schlagfertigen Erfolgstrainer gelang es nicht, mit RWE in die Riege der großen Schwerpunktclubs BFC Dynamo, Dynamo Dresden, Lok Leipzig, 1. FC Magdeburg und Carl Zeiss Jena einzudringen. Wieder konnten nur Mittelfeldplätze erreicht werden. Aufgrund des ausbleibenden Erfolgs wurden 1986 Clubvorsitzender Karl-Heinz Friedrich und 1987 Trainer Hans Meyer abgelöst.

Und wieder wurde ein bereits gescheiterter Fußballtrainer von Partei- und Sportfunktionären für die Oberligamannschaft reaktiviert. Manfred Pfeifer übte dieses Amt aber krankheitsbedingt nur bis Sommer 1988 aus. Nach einer Saison auf dem zwölften Platz kam es erneut zum Trainerwechsel mit dem seit einigen Jahren erfolgreich im Nachwuchsbereich des DFV arbeitenden ehemaligen Nationalspieler Wilfried Gröbner. Unter dem neuen Clubvorsitzenden Rainer Döhling wurde das System der Geldbeschaffung aus den Kultur- und Sozialfonds der Großbetriebe zwar weiter verfolgt, die Durchsetzungsfähigkeit seines Vorgängers Friedrich fehlte aber.

Die finanzstarken BSG, besonders Robotron Sömmerda, waren in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre für einige Oberligaspieler wieder so attraktiv, dass sie wie Martin Busse und Josef Vlay dorthin in die Liga wechselten. Dem FC Rot-Weiß Erfurt mangelte es an herausragendem Nachwuchs und Verstärkungen aus anderen Oberligamannschaften. So stellte sich auch mit Wilfried Gröbner kein Erfolg ein, in der Saison 1988/89 musste man sogar um den Klassenerhalt bangen und belegte nur Platz 12. In der ersten Halbserie 1989/90blieb es bei diesen schwachen Leistungen, sodass Trainer Gröbner Ende des Jahres durch den einstigen Jenaer Nationalspieler Lothar Kurbjuweit ersetzt wurde.



Text: Dr. Steffen Raßloff und Dr. Michael Kummer
Fotos: Archive FC Rot-Weiß Erfurt, Olaf Schwertner, Kurt Gaida

erschienen auch im 1966er, dem Magazin über den FC Rot-Weiß Erfurt, Sonderausgabe anlässlich des 60. Geburtstags des FC Rot-Weiß Erfurt, hrsg. vom Fanrat Rot-Weiß Erfurt e.V.

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